TYI – Test your Ideas? Test your Presentation-Skills! Ein Erfahrungsbericht.
Mitte Juni 2010 mailte die UnternehmBAR einen Hinweis über den Wettbewerb „TYI – Test your Ideas“ über die universitäre Email-Liste der Uni Tübingen. Der Wettbewerb TYI wird von den Unis Stuttgart, Hohenheim und St. Gallen (Schweiz) veranstaltet und richtet sich an Gründungsinteressierte in allen Phasen der Planung. Die verschiedenen Phasen schließen auch die reine Konzeptphase ein.
Ich selbst bin an der Universität Tübingen im Diplomstudiengang Bioinformatik eingeschrieben und werde diesen 2011 erfolgreich abschließen. Bioinformatik ist ein stark interdisziplinärer Studiengang und damit auch sehr fordernd und zeitintensiv. Entsprechend unzertifiziert ist mein Wissen im Bereich der (IT-)Gründungen.
Da ich (erstaunlicherweise) meine Uni-Mailadresse lese, hatte ich auch diese Mail überflogen, in meinem Terminkalender nachgeschlagen und 8 Tage freie Zeit (zwischen Pharmazie-Diplom-Prüfung und Abgabetermin des Wettbewerbs) feststellen können. Zeit war also vorhanden, was braucht man noch dafür? Eine Idee!
Praktischerweise hatte ich eine recht ambitionierte Idee herumliegen. Nach ca. 7 Tagen hatte ich die abzugebende dreiseitige Ideenskizze aufgesetzt und meine Probeleser gaben ebenfalls ihr Einverständnis: Die Abgabe war fertig und wurde fristgerecht am 30.06.2010 per Mail eingereicht. Geschätzte 30 Projekte fingen so bei den Veranstaltern ein.
Am 16. Juli erhielt ich die Gratulationsmail zum Erreichen der zweiten Runde. Damit war mein vorher gestecktes Ziel erreicht: Ich rechnete nicht mit dem Erreichen der dritten Runde. Im Laufe des Juli und August konzentrierte ich mich auf die Organisation eines studentischen Summits hier an der Uni Tübingen, an der ich die Freude hatte, unter anderem für die Technik zuständig zu sein.
Dann überraschte mich die Gratulationsmail zum Erreichen der 3ten Runde am 1.9., nur 19 Tage vor Beginn des Summits. Die dritte Runde des TYI sollte am 21.09.2010 in Stuttgart stattfinden. Terminlich war das eine Situation nahe des Wahnsinns, da nicht nur der Summit mit der 3ten Runde kollidierte, sondern unser Organisationsteam ebenfalls Überstunden schob und für mich als einzige Informatikerin kein Ersatz vorhanden war.
Irgendwie gab es aber auch hier eine Lösung und ich konnte meine Folien für den 10minütigen Kurzvortrag bis zum 17. September fertig stellen und entsprechend pünktlich abgeben. Am 20. September startete der Summit, alles Erdenkliche in der Technik ging wie erwartet „nicht so ganz glatt“ und ganz plötzlich war der 21. September da.
Das uns vorab zugesendete Programm war in einem Punkt etwas unklar: Die einzelnen Teilnehmervorträge finden meist ohne Zuschauer statt. Nur die Preisverleihung ist öffentlich für Besucher und Teilnehmer.
6 von 7 Gruppen hatten dies missverstanden und plauschten dafür mehrere Stunden entspannt im Vorraum. Mit Brezeln und einem Paternoster aus Unterstützung hatten wir einige interessante Gespräche, bis die einzelne Gruppen dann jeweils ihre 10 min. Vortrag und 10 min. Fragen vor der Jury hinter geschlossenen Türen überstehen mussten.
Nachträglich stellte sich heraus, dass die 7 Finalisten in 2 Untergruppen: Praxis (4) und Theorie (3) aufgeteilt wurden. In jeder Untergruppe wurden Platz 1 und 2 mit Preisen versehen. Als ich als Letzte nun den Raum betrat, saßen vor mir die 9 Jurymitglieder, die bereits für die Auswahl der Teilnehmer zur dritten Runde zuständig waren.
Die Jury war zusammengesetzt aus Vertretern der drei Hochschulen, einem Teil der Sponsoren sowie unter anderem einem Vertreter einer Venture-Capital-Gesellschaft. Ihre schriftlichen Bewertungen wurden allen Teilnehmern der 2. und 3. Runde nachträglich überreicht bzw. zugesandt.
Da die dreiseitige Ausarbeitung als der Jury bekannt vorausgesetzt wurde, hatte ich meinen Vortrag darauf konzentriert, noch einmal die Vision bzw. das Konzept klar zu präsentieren und im Folgenden kurz auf die zu erwartenden Probleme, Teammindestgröße sowie Finanzbedarf einzugehen. Die Fragen der Juroren bezogen sich in meinem Fall auf meine Vision und deren Potential. Eine Gruppe aus dem Praxisbereich wurde dagegen sehr konzentriert auf ihre Finanzplanung geprüft.
Während der Preisverleihung kündigte Prof. Dr. Müller dann eine kurze Änderung an: Auch der dritte Platz in beiden Kategorien wurde überraschend durch die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen gesponsert. Es sei ihnen sonst kaum möglich gewesen, in der Kategorie Forschung zu entscheiden, wer ohne Preis ausgehen sollte, da die Konzepte für Platz 2 und 3 sehr gut, allerdings auch sehr visionär waren. Damit erhielt ich den dritten Platz in der Kategorie Forschung. Platz 2 wurde interessanterweise durch eine Idee aus der Bioinformatik belegt, Platz 1 ging an ein bereits kurz vor Marktreife stehendes Produkt im Bereich die Dialyse.
Die Projekte im Bereich „Praxis“ sind mir leider nicht speziell in Erinnerung geblieben. Insgesamt war während der Preisverleihung außer den einzelnen Teilnehmern nur die Jury und wenige andere zusätzlich anwesend. Damit war wie zu erwarten, der Wettbewerb zwar klein, aber ein interessanter erster Konzept im Bereich der Gründungen für mich. Der Aufwand selbst ist sehr gut kalkulierbar und die Jury fair und ausreichend kompetent für ein generelles Feedback. Ich kann wirklich jedem mit einer Idee nur empfehlen: Testet sie im TYI oder einem vergleichbaren Wettbewerb. Das Ergebnis kann überraschend sein.
Von Agnes Meyder (http://agnes.meyder.eu)